Lungenerkrankungen

Atmen ohne Not

Von Michael Gneuss und Katharina Lehmann · 2021

Gesunde Atemwege sind essenziell für eine hohe Lebensqualität. Doch etwa 15 Prozent der Deutschen leiden an chronischen Erkrankungen der Lunge – oft auch in Verbindung mit Allergien. Gerade Pollen und Tierhaare, Milben und Pilzsporen verschlechtern häufig die Krankheitsbilder. Abhilfe schaffen moderne Medikamente – und zur Pollensaison auch FFP2-Schutzmasken.

Eine Frau mit Inhalator unter einem blühenden Baum
Die Allergiesaison begünstigt stärkere Beschwerden bei Lungenkranken. Foto: iStock / RealPeopleGroup

Sie kribbeln in der Nase, sie brennen in den Augen und manchmal schnüren sie gar die Luft ab – im Frühjahr treiben Pollen ihr Unwesen und machen Allergikern das Leben schwer. Rund 30 Prozent der Deutschen haben die genetische Disposition für eine Allergie, immer mehr von ihnen erkranken zumindest einmal in ihrem Leben auch daran. Und es werden immer mehr. So hat das Robert Koch-Institut (RKI) eine starke Zunahme von Allergien in Deutschland festgestellt: Nach Angaben des RKI habe sich die Allergie-Rate in Deutschland zwischen den Erhebungen 1990/1992 und 2008/2011 nahezu verdoppelt. Aktuellere Zahlen liegen bisher nicht vor. 

Das Problem: Allergien sind nicht nur lästig, sondern auch gefährlich. Das Risiko besteht vor allem darin, dass die Allergie nicht rechtzeitig behandelt wird und auf die unteren Atemwege übergreift und zum Asthma wird. Bis zu 40 Prozent der Allergiker, schätzen Pneumologen, entwickeln aufgrund des unbehandelten Heuschnupfens Asthma. „Schon bei Patienten, die ausschließlich Symptome einer allergischen Rhinitis zeigen, liegen häufig bereits Lungenveränderungen vor, die zu einem allergischen Asthma prädisponieren“, erklärt Professor Claus Franz Vogelmeier, Leiter der Klinik für Innere Medizin mit Schwerpunkt Pneumologie am Universitätsklinikum Marburg. Hinzu kommt, dass sich das Allergenspektrum verbreitern kann. „Je mehr dies der Fall ist, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass aus einer zeitlich begrenzten Erkrankung eine Dauererkrankung wird.“ Helfen kann da das Meiden der Allergene – Pollenflugdaten des Deutschen Wetterdienstes geben Aufschluss – oder die Hyposensibilisierung.

Pollen können Lungenerkrankungen verstärken

Wer bereits an allergischem Asthma leidet, ist in der Pollensaison besonders betroffen. Meist gesellt sich zum Heuschnupfen dann nämlich die Verschlimmerung der Asthmasymptome. Medikamente müssen unter Umständen stärker dosiert werden. Asthmatikern wird von Experten zudem empfohlen, während der Pollensaison im Freien eine FFP2-Maske zu tragen. So haben die lästigen Pollen keine Chance. Doch nicht nur Asthmatiker müssen die Pollen fürchten. Auch Menschen mit anderen Lungenkrankheiten wie der chronisch-obstruktiven Lungenerkrankung oder Lungenkrebs haben Studien zufolge während der Allergiesaison stärker ausgeprägte Atemwegssymptome mit Atemgeräuschen, chronischem Husten und Sekretansammlungen sowie ein höheres Risiko für plötzliche Verschlechterungen des Krankheitsbildes – zumindest, wenn sie gleichzeitig an Allergien leiden. Insgesamt sind in Deutschland etwa 15 Prozent der erwachsenen Bevölkerung von einer chronischen Lungenkrankheit wie der chronischen Bronchitis, Asthma bronchiale oder COPD betroffen. Für viele Betroffene sind diese Erkrankungen mit hohen Einbußen an Lebensqualität verbunden. Sie können im Sport und oft auch im Alltag nicht mit Gesunden mithalten, schlafen nicht durch und leiden an Husten und Atemnot. Letzteres tritt meist unter Belastung auf, manchmal aber auch in Ruhephasen. Ein- und Durchschlafstörungen, Tagesschläfrigkeit, Leistungsabfall in Beruf und Alltag – für diese Symptome kann aber auch eine ganz andere Ursache infrage kommen, nämlich die sogenannte obstruktive Schlafapnoe (OSA). Bei den Betroffenen kommt es während des Schlafs wiederholt zu einer Verengung der oberen Atemwege, da die Zungen- und Rachenmuskulatur erschlafft. Mit dramatischen Folgen für Wohlbefinden sowie Risiken für Folgeerkrankungen.

Die Krankheit im Griff

Neue Medikamente und medizintechnische Innovationen helfen, die Erkrankungen besser im Griff zu haben. Gerade bei Lungenkrebs, einer der tödlichsten Krebsarten, hat sich viel getan in den vergangenen Jahren. Moderne Antikörper- und Immuntherapien lassen hoffen. Bei der Antikörpertherapie richten sich bestimmte Stoffe nach dem Schlüssel-Schloss-Prinzip gezielt gegen die veränderten Proteine auf den Tumorzellen und greifen diese an. In der Immuntherapie werden Substanzen verabreicht, die im körpereigenen Abwehrsystem Bremsen lösen sollen, die der Tumor zuvor aktiviert hat, um nicht angegriffen zu werden. Beide Therapieformen hätten die Überlebenszeit von vielen Lungenkrebspatienten deutlich verbessert und seien gleichzeitig besser verträglich als herkömmliche Zellgifte, erklärt der Onkologe Martin Sebastian vom Universitätsklinikum Frankfurt gegenüber der Frankfurter Rundschau. Und auch für Asthmatiker und COPD-Patienten stehen neue moderne Medikamente zur Verfügung, mit denen vor allem Betroffene schwerer Formen die Erkrankung besser kontrollieren und so ein großes Stück Lebensqualität zurückerobern können. 

Quellen:
www.leichter-atmen.de: Pollensaison: Das sollten Lungenpatienten wissen
Mein Allergie-Portal: Etagenwechsel vom Heuschnupfen zum Pollenasthma
Frankfurter Rundschau: Neue Therapie gegen Lungenkrebs lässt Patienten hoffen

Der Game Changer?

Zuletzt erregte ein Asthmamedikament die Aufmerksamkeit breiter Teile der Bevölkerung: In ersten Untersuchungen zeigte sich, dass das Glukokortikoid Budesonid bei einer Infektion mit dem Sars-Cov-2-Virus, frühzeitig eingesetzt, die Wahrscheinlichkeit verringern könnte, dass eine intensivmedizinische Versorgung erforderlich wird und die Zeit bis zur Genesung verkürzen kann, wie Forschende der Universität Oxford herausfanden. SPD-Gesundheitsexperte und Mediziner Karl Lauterbach sprach in diesem Zusammenhang gar von einem „Game Changer“ in der Behandlung von Covid-19. Andere Experten sehen die Ergebnisse allerdings kritisch – vor allem, weil für die Untersuchungsreihen nur eine sehr geringe Anzahl von Patienten betrachtet wurde. Nun gelte es, größere Studien durchzuführen, um die Ergebnisse zu überprüfen.

Quelle: ZDF: Asthma-Spray als "Game-Changer" gegen Corona?

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