Dauererschöpfung

Wenn Helfende hilflos sind

Von Dr. Med. Sarah Schroth · 2021

Alarmstufe Rot in den Dienstzimmern: Mehr Überstunden, Zeitdruck und Bürokratie führen bei ärztlichem Personal zu Überforderung und Dauererschöpfung. Der außergewöhnlich hohe Druck, dem sie in der COVID-19-Pandemie ausgesetzt waren, macht sie zu einer besonders kritischen Risikogruppe für psychische Erkrankungen.

Nachdenklicher Mann in einem Sessel.
Menschen, die im Gesundheitswesen arbeiten, leiden besonders unter den Auswirkungen der Pandemie. Foto: iStock / PIKSEL

Lockdown, AHA-Regeln, Social Distancing: Im Frühjahr 2020 änderte sich unser aller Leben schlagartig. Angst vor überfüllten Intensivstationen und steigenden Infektionszahlen beherrschten den Alltag vieler Menschen. Welche psychischen Auswirkungen das haben würde, ließ sich zunächst nur erahnen. Nun bestätigen sich die Befürchtungen: In Folge der Krise stieg die Häufigkeit depressiver Symptome in der Bevölkerung um das Siebenfache. Besonders betroffen sind Mitarbeitende des Gesundheitswesens, die an vorderster Front gegen das Virus kämpfen.

Dauererschöpfung: Stark sein um jeden Preis?

Helfende selbst können die Rolle des Hilfsbedürftigen oft nur schwer akzeptieren und ertragen. Besonders im ärztlichen und therapeutischen Bereich erheben sich verhältnismäßig wenige Stimmen der Empörung über die Zustände in Kliniken und Praxen – warum ist das so? Als Expertin auf dem Gebiet der Ärztegesundheit kennt Dr. med. Maxi Braun, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie sowie für Psychotherapeutische Medizin, den Grund: „Eine ausgesprochen hohe Scham, Angst vor Stigmatisierung und die Vorstellung der eigenen Unverwundbarkeit tragen grundsätzlich dazu bei, dass Hilfsangebote von Ärzten und Therapeuten nur zögerlich und oftmals viel zu spät angenommen werden.“  Dies führt nicht selten zu verzweifelten Selbstmedikationsversuchen mit Suchtmitteln wie Alkohol, Stimulanzien oder Schlaftabletten. Eine verheerende Abwärtsspirale beginnt. Diesen Teufelskreis ohne Unterstützung von außen zu durchbrechen ist schwer. 

Alle Akteure gefragt

Empathie und Hilfsbereitschaft sind wichtige Voraussetzungen für die Arbeit mit Menschen. Aber wo liegen die gesunden Grenzen dieser Aufopferungsbereitschaft? Durch die Überlastung im Zuge der Pandemie wurden diese Grenzen ausgedehnt – oft überschritten. Sicherlich liegt es in erster Linie in der Verantwortung der Betroffenen selbst, das Tabu zu brechen. Denn eines zeigen die Studien deutlich: Reden hilft! Doch auch Politik und Medienwelt sind gefragt, mehr Aufmerksamkeit in Richtung der stummen Helfenden zu lenken. Laut Dr. Braun ist dies auch mehr als nötig: „Für problematisch halte ich, dass wir nun mit dem bereits erschöpften medizinischen Personal zumindest weiterarbeiten oder sogar die nächste Phase der Pandemie bewältigen müssen."

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