Chronische Rückenschmerzen

Schonen ist ein Mythos

Von Sara Bertsche · 2018

Schonen ist ein Mythos

Wer unter chronischen Rückenbeschwerden leidet, der darf aus Angst vor falschen Bewegungen nicht zur Salzsäule erstarren. So haben kürzlich Forscher in einer klinischen Studie herausgefunden, wie regelmäßiges Pilates-Training im Rahmen multimodaler Therapien – sprich einem Konzept aus unterschiedlichen Behandlungsansätzen – leidgeprüften Patienten helfen kann, den Schmerz deutlich zu lindern.

Sabine K. aus München kam nach einem anstrengendem Tag im Büro nach Hause und stellte fest, dass ihr Nacken schmerzte. In den nächsten Tagen kamen starke Verspannungen im Kreuz dazu, die schließlich nach Wochen zum Dauerzustand wurden. So wie ihr, geht es vielen: Laut DAK-Gesundheitsreport 2018 litt im Vorjahr jeder siebte von 2,5 Millionen befragten Arbeitnehmern mindestens drei Monate an Rückenschmerzen, die Experten ab der dreizehnten Woche als chronisch einstufen. Der Patient hat es dann mit Nervenfasern zu tun, die durch andauernde Reize sensibilisiert sind. Diese werden an das Gehirn weitergeleitet, das selbst harmlose Reize als Schmerz einstuft und ein entsprechendes Signal zurück ans Rückenmark sendet. Das überlastete System kann zudem nicht mehr genügend Endorphine ausschütten, körpereigene Botenstoffe, die sonst den Schmerz dämpfen. 

Ganzheitlich gegen den Schmerz 

Die Deutsche Schmerzliga e. V. gibt an, dass neun von zehn Patienten unter unspezifischen Rückenbeschwerden leiden, die durch zu wenig Bewegung, Fehlhaltung oder Dauerstress ausgelöst werden. In diesen Fällen verschlimmert Bettruhe den Rückenschmerz. Es gilt vielmehr, so schnell wie möglich wieder mobil zu werden und schon in der akuten Phase zu handeln. Dabei kommen Schmerzmittel, Physiotherapie, eine schnelle Spritze gegen lokale Muskelverhärtungen oder auch Akupunktur zum Einsatz. Wenn alles nichts hilft, können Ärzte die sogenannte Neuromodulation in Erwägung ziehen, ein Verfahren, bei dem elektrische Impulse das Rückenmark stimulieren und langfristig die Schmerzsignale stoppen, bevor diese das Gehirn erreichen. 

Mit Bewegung gegen den Schmerz

Wie effektiv auch Pilates im Kampf gegen den Schmerz sein kann, das haben die Forscherin Gisela Cristiane Miyamoto und Physiotherapeuten von der Universität São Paulo in einer im März 2018 veröffentlichten klinischen Studie gezeigt: Dort erfuhren knapp 300 Patienten, die seit vier Jahren an unspezifischem Kreuzschmerz litten, schon nach sechs Wochen deutlich Linderung, wenn sie zwei bis drei mal die Woche für eine Stunde Pilates trainierten. So konnten sie auch ihren Schmerzmittelkonsum senken. Pilates sei hier als ein Beispiel von vielen Sportarten genannt. Auch gelenkschonendes Yoga und Entspannungsübungen helfen langfristig, Verspannungen zu lösen und schmerzfördernde Gewohnheiten wie Stress abzulegen – Maßnahmen, die sich übrigens auch hervorragend zur Prävention eignen.

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