HIV in Entwicklungsländern

Corona verschärft die Situation

Von Nadine Effert · 2022

Das Ziel, Aids als globale Bedrohung der öffentlichen Gesundheit bis 2030 zu beenden, steht auf wackeligen Füßen. Insbesondere aufgrund der stark betroffenen Entwicklungsländer – und Corona. Eine neue Strategie soll helfen.

Eine Mutter sitzt mit ihrem Kind am Boden und sieht in die Kamera.
Laut UNAIDS wurden 2020 weltweit rund 150.000 HIV-Neuinfektionen bei Kindern unter 15 Jahren registriert. Foto: iStock / GCShutter

Weltweit sind rund 37,7 Millionen Menschen mit HIV infiziert. Obwohl es dasselbe Virus ist, trifft es Menschen in Entwicklungsländern anders als in den Industriestaaten. Für schützende Kondome fehlt oft das Geld; genauso wie für eine adäquate medizinische Versorgung – sofern es überhaupt Zugang dazu gibt. Keine Bildung bedeutet keine Aufklärung über Ansteckungswege und Präventivmaßnahmen. In Afrika südlich der Sahara kann laut der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung (DSW) aus diesen Gründen jede zweite Frau, die eine Schwangerschaft verhindern möchte, nicht verhüten. Hinzu kommt Gewalt gegen Frauen und Prostitution. In Südafrika etwa wurde Aids lange Zeit von offizieller Seite verharmlost und Knoblauch, Rote Rüben und Vitamine als Gegenmittel empfohlen. In einer Harvard-Studie heißt es, dass mit einer anderen Gesundheitspolitik allein von 2000 bis 2005 rund 330.000 Aids-Tote dort hätten verhindert werden können.

HIV in Entwicklungsländern: Ungleichheiten töten

„Wir befinden uns jetzt an einem entscheidenden Punkt im Kampf gegen die Immunschwächekrankheit“, so UNAIDS-Leiterin Winnie Byanyima. Wie bei HIV habe auch COVID-19 gezeigt, dass Ungleichheiten töten, etwa wenn Menschen aus Furcht vor Stigmatisierung und Diskriminierung keinen Test machen oder ihre Infektion verheimlichen und so folglich keine Behandlung erhalten. „COVID-19 verstärkt bereits bestehende Ungleichheiten und blockiert damit weitere Fortschritte auf dem Weg zur Beendigung von Aids.“ UNAIDS fürchtet, dass bei Coronapandemie-bedingten Lieferengpässen und einer damit einhergehenden Verteuerung der Medikamente von nur sechs Monaten es zusätzlich zu 500.000 Toten kommen kann.

Zwischenziele bis 2025

Um im globalen Kampf gegen Aids voranzukommen und allen Menschen gleichermaßen Zugang zu medizinischer Versorgung zu ermöglichen, hat UNAIDS die neue „Global Aids Strategy 2021-2026, End Inequalities, End Aids“ verabschiedet – mit konkreten Zwischenzielen für 2025. Beispielsweise sollen 95 Prozent der HIV-Positiven diagnostiziert sein, 95 Prozent von ihnen eine Behandlung erhalten und wiederum davon 95 Prozent eine Viruslast unter der Nachweisgrenze haben. Geht die Strategie auf, lautet die UNAIDS-Prognose: Die Zahl der Neuinfektionen wird von 1,5 Millionen in 2020 auf weniger als 370.000 in 2025 sinken und die Todesfälle im Zusammenhang mit Aids bei unter 250.000 liegen anstatt bei 680.000.

Quellen:
Statista: Statistiken zum Thema HIV AIDS weltweit
DSW: Weltverhütungstag: Jede zweite Frau in Afrika südlich der Sahara kann nicht verhüten
UNAIDS: UNAIDS Board adopts new global AIDS strategy which paves the way to end AIDS by 2030
ÄrzteZeitung: COVID stoppt in Afrika die AIDS-Prophylaxe

Schon gewusst?

Mehr als die Hälfte der weltweit jährlich rund 700.000 Neuinfektionen mit HIV findet in den Ländern südlich der Sahara statt. Besonders stark betroffen sind junge Frauen zwischen 15 und 24 Jahren.

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