Wärme- und Kältetherapie

Kirschkernkissen oder Eiswürfel?

Von Tobias Lemser · 2023

Wer Schmerzen hat, greift nicht selten direkt zur Schmerztablette. Allerdings geht es auch schonender und oft auch effektiver: entweder mithilfe von Wärme oder Kälte. Doch welche Thermotherapie hilft bei welchen Schmerzen, und was lindert Studien zufolge am schnellsten Muskelkater?

Kirschkernkissen oder Eiswürfel?

Da denkt man, in den eigenen vier Wänden ganz sicher und geborgen zu sein: Doch genau da kommt es tatsächlich zu den meisten Unfällen. Rund 2,8 Millionen Mal passiert es jedes Jahr in deutschen Haushalten – weder im Straßenverkehr noch bei der Arbeit ist die Gefahr für Unfälle so groß.

Kühlen, aber nicht zu kalt

Sosehr man sich auch vornimmt, umsichtig und konzentriert zu sein, gänzlich vermeiden lassen sich Haushaltsunfälle nicht. Und wenn es passiert, ist eine gute Vorbereitung alles. Neben Medikamenten sollten Kühlpad und Wärmflasche in keiner gut sortierten Hausapotheke fehlen. Denn Wärme und Kälte sind bei verschiedenen Verletzungen wichtige Faktoren, von Beginn an richtig helfen zu können und so Schmerzen zu lindern. Bestes Beispiel: Verbrennungen oder Verbrühungen durch kochendes Wasser oder heiße Herdplatten. 
Dass Kühlen bei leichteren Fällen hier das geeignete Mittel ist, um den Schmerz zu lindern, ist bekannt. Dennoch gilt es einiges zu beachten: Ist die Verletzung kleinflächig, sollte mit Leitungswasser, das eine Temperatur von circa 20 Grad hat, gekühlt werden. Auch reicht es aus, das betroffene Areal lediglich fünf bis zehn Minuten zu kühlen. Wissenschaftlichen Erkenntnissen zufolge reduziert eine längere Kühlung den Hautschaden nicht. 

Verengung der Blutgefäße

Ist die Lage im Fall einer Verbrennung eindeutig, herrscht bei vielen anderen Verletzungen Verunsicherung: kühlen oder doch besser wärmen? Tatsächlich gibt es Situationen, in denen man einiges verkehrt machen kann. Um beliebte Hausmittel wie Kühlpads, Kühlpacks und -beutel sowie Infrarotlampen, Wärmepflaster oder aufheizbare Kirschkernkissen richtig einzusetzen, ist Folgendes bei der sogenannten Thermotherapie wichtig zu wissen: Gelangt Kälte auf die zu behandelnde Stelle, ziehen sich die Blutgefäße zusammen und verengen sich. Dadurch, dass die Durchblutung abnimmt, kommt es zu einer geringeren Blutzufuhr, sodass sich weniger Flüssigkeit im Gewebe ansammelt. Kälte wirkt also der Schwellung entgegen. Zudem sorgt sie dafür, dass die Schmerzrezeptoren wie gewohnt arbeiten und die Schmerzen Stück für Stück gelindert werden. Das heißt für die Praxis: Kälte findet also insbesondere bei akuten geschlossenen Verletzungen und stumpfen Traumata wie Prellungen, Verstauchungen oder Zerrungen Anwendung. 

Wenn die Wade zwickt

Wer sich beispielsweise beim Joggen die Wade gezerrt hat, sollte zeitnah mit dem Kühlen beginnen – gerade in der ersten Stunde ist die Wirksamkeit am größten. Fachleute empfehlen, höchstens 10 bis 15 Minuten am Stück zu kühlen, um die Nerven im betroffenen Körperbereich nicht zu sehr zu reizen. Jedoch kann das Kühlen innerhalb der ersten 48 Stunden stündlich wiederholt werden.

Wichtig: Handelt es sich um eine offene Verletzung, die blutet, sollte die kalte Kompresse nicht direkt auf die Wunde gelegt werden. Eindringende Keime könnten die Wunde verunreinigen und das Infektionsrisiko erhöhen.

Thermische Reize für die Muskulatur

Und wann sollte Wärme ins Spiel kommen? Fakt ist: Durch Wärme öffnen sich die Gefäße, sodass die Durchblutung gefördert wird. Das kann helfen, den Heilungsprozess zu beschleunigen. Wärme ist zudem zuträglich, Muskeln und verkrampfte Gewebe zu entspannen – insbesondere bei Verspannungen ein wichtiger Effekt, da stark verspannte Muskelfasern die Gefäße in den Muskeln zusammendrücken. In der Folge wird die Durchblutung gehemmt, sodass sich Stoffwechselprodukte ansammeln, die bestimmte Rezeptoren reizen. Schmerzen sind die Folge, welche wiederum die Bildung von Verspannungen forcieren. Zusätzlich erhöht sich angesichts der verringerten Durchblutung das Risiko für Entzündungen – ein Teufelskreis einer zu geringen Blutzufuhr, welcher durch den Einsatz von Wärme durchbrochen werden kann.

Nackenschmerzen und Muskelkater

Ein Beispiel für eine wirkungsvolle Wärmeanwendung sind Nackenschmerzen. Und so geht’s: Neben Wärmepflastern, die jedoch zur Vermeidung von Hautreizungen nicht zu lange aufgeklebt werden sollten, eignen sich Infrarotlampen sowie aus feuchten Handtüchern bestehende Wärmekompressen. Nicht zuletzt kann ein heißes Bad Verspannungen lösen, genauso wie eine sanfte Nackenmassage mit einer heißen Rolle. Eine Maßnahme, die auch bei Muskelkater hilft? Bereits mehrere Studien sind den lästigen Nachwehen nach dem Sport auf den Grund gegangen. Eine vor zwei Jahren veröffentlichte Metaanalyse, die 22 Studien auswertete, kam zu dem Ergebnis, dass sowohl Wärme als auch Kälte die Schmerzen nach 24 Stunden reduzieren, wenn sie innerhalb einer Stunde nach dem Training zum Einsatz kommen. Am geeignetsten waren jeweils Eisbäder und Wärmeauflagen. In Sachen Regeneration konnte sich die Wärme durchsetzen. Jedoch wurden nur die Auswirkungen auf den Schmerz und nicht auf die Erholung der Kraft gemessen. Wie die Analysten mitteilten, seien weitere Studien notwendig, die beide Modalitäten direkt vergleichen.

Eisbaden

Darunter versteht man das regelmäßige Baden bei Wassertemperaturen um den Gerfrierpunkt. Es soll sich positiv auf das Herz-Kreislauf-System und das Immunsystem auswirken sowie bei Entzündungen und Schmerzen helfen.

Darauf sollte man achten:

  • Tasten Sie sich mit kalten Duschen oder Wechselduschen an den Kältereiz heran. Fangen Sie bereits im Herbst mit dem Baden an, und trainieren Sie dann jede Woche mindestens einmal. 
  • Haben Sie für den Notfall immer jemanden dabei, der helfen kann. 
  • Springen Sie nicht ins Wasser, sondern tauchen Sie langsam und Schritt für Schritt ein. Der Kopf sollte immer trocken bleiben. Eine Mütze oder Badekappe ist hilfreich. 
  • Da sich am Hals die meisten Kälterezeptoren befinden, sollte dieser nach dem Bad bedeckt werden. 
  • Wärmen Sie sich vor und nach dem Baden durch zügiges Gehen auf.


Quelle: www.aok.de/pk/magazin/koerper-psyche/immunsystem/eisbaden-das-muss-man-beachten/; Zugriff: 18.09.2023

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