Volkskrankheiten in Deutschland

Im Kampf gegen Volkskrankheiten

Von Michael Gneuss · 2020

Mehr als zwei Drittel der Todesfälle sind hierzulande auf koronare Herzerkrankungen, Schlaganfall, Krebs und Komplikationen, die im Zusammenhang mit Diabetes stehen, zurückzuführen. Um diese Zahl zu senken, wird intensiv geforscht. Jeder kann aber auch durch eine gesündere Lebensweise die Risiken senken.

Mann mit Atemschutzmaske sitzt in einem Wartesaal.
Auch in Zeiten der Corona-Pandemie muss der Kampf gegen die Volkskrankheiten fortgesetzt werden. Foto: iStock/ArtmannWitte

Die Welt befindet sich in einer beispiellosen Zwangslage: Da ist zum einen die Covid-19-Pandemie, gegen die Wissenschaftler und Mediziner weltweit mit allen Mitteln kämpfen. Da ist aber auch die anhaltende Bedrohung durch andere gefährliche Krankheiten, die seit dem Corona-Ausbruch nicht geringer geworden ist. So bedrohen nach wie vor Volkskrankheiten wie etwa Herz- und Kreislaufleiden, Krebs oder Diabetes Milliarden Menschen auf der ganzen Welt. „Der gesundheitspolitische Fokus hat sich in den vergangenen Wochen so sehr auf die Covid-19-Patienten gerichtet, dass nun chronisch und akut Erkrankte Gefahr laufen, unter die Räder zu geraten“, mahnt Professor Monika Kellerer, Präsidentin der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG). 

Verunsicherte Patienten

Tatsächlich beobachten viele Ärzte eine große Verunsicherung bei den Patientinnen und Patienten. Viele Menschen nehmen Arzttermine nicht mehr wahr und bleiben bei akuten Beschwerden zu Hause. Die Gründe dafür sind vielfältig und reichen von reiner Angst vor einer Ansteckung über Rücksichtnahmen auf das Gesundheitssystem bis hin zu falsch verstandenen Ausgangsbeschränkungen. Für die Patienten tun sich dadurch aber noch mehr Gefahren auf. Gerade bei Infektionskrankheiten haben insbesondere Menschen mit zum Beispiel schlecht eingestelltem Diabetes und Diabetesfolgeerkrankungen wie Herzkreislauf-Erkrankungen, Bluthochdruck, Nierenerkrankungen, Polyneuropathie und Gefäßerkrankungen oft einen schwereren Krankheitsverlauf als solche ohne Diabetes.

Gerade angesichts der Corona-Pandemie und deren erschreckender Zahlen konnte in den letzten Monaten in der öffentlichen Wahrnehmung schon mal in den Hintergrund treten, dass die Volkskrankheiten unverändert die häufigsten Todesursachen in Deutschland sind. So standen nach Angaben des Statistischen Bundesamts 2018, als insgesamt 954.874 Menschen in Deutschland verstarben, Herz-Kreislauf-Erkrankungen mit 36,2 Prozent aller Sterbefälle an erster Stelle. Zweithäufigste Todesursache waren die Krebserkrankungen. Rund ein Viertel (230.031 Menschen) erlag einem Krebsleiden, darunter 124.810 Männer und 105.221 Frauen. Bei den Männern war Lungen- und Bronchialkrebs mit 28.350 Fällen die am häufigsten diagnostizierte Krebsart. Bei Frauen war die häufigste Krebserkrankung mit Todesfolge der Brustkrebs mit 18.591 Fällen.

Volkskrankheiten verursachen hohe Kosten

Keine Frage, dass Volkskrankheiten auch von hoher Relevanz für die Volkswirtschaft sind. So belaufen sich die jährlichen Kosten laut dem Statistischen Bundesamt allein bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen auf rund 50 Milliarden Euro im Jahr. Der zweitgrößte Kostenblock sind Verhaltensstörungen und psychische Erkrankungen, die mehr als 40 Milliarden Euro beanspruchen. 

Im Interesse der Gesundheit der Bevölkerung – aber auch unter volkswirtschaftlichen Gesichtspunkten – fließen jährlich Milliarden in die Forschung und Entwicklung im Kampf gegen die Volkskrankheiten. Dabei arbeiten die sechs Deutschen Zentren der Gesundheitsforschung (DZG) eng zusammen, schließlich können die großen Fragen der Gesundheitsforschung nur disziplin- und einrichtungsübergreifend sowie mit einer langfristigen Strategie gelöst werden. Laut dem Bundesgesundheitsministerium ist die Finanzierung der Deutschen Zentren langfristig angelegt und erfolgt zu 90 Prozent durch den Bund. Jedes Land finanziert die bei ihm ansässigen Einrichtungen mit einem anteiligen Beitrag in Höhe von zehn Prozent. Von 2009 bis 2016 förderten Bund und Länder den Aufbau der Deutschen Zentren mit über einer Milliarde Euro. Aktuell werden jährlich rund 250 Millionen Euro für die Deutschen Zentren bereitgestellt, um so die weiter steigende Zahl der Todesfälle durch Volkskrankheiten in den Griff zu bekommen. 

Auf den Lebenswandel achten

Die Forschung ist das Eine, das individuelle Verhalten der Menschen das Andere. Denn Tatsache ist, dass jeder Einzelne viel im Kampf gegen die Volkskrankheiten tun kann. Bluthochdruck, Typ-2-Diabetes, ein hoher LDL-Cholesterinwert – auch wenn sich die Erkrankungen im Einzelfall auf eine genetische Disposition oder eine andere spezifische Ursache zurückführen lassen, entwickeln sie sich in der Mehrheit der Fälle doch typischerweise aufgrund eines ungesunden Lebenswandels. Und dieser ist alles andere als ein Schicksal: Wer die größten Risikofaktoren der Volkskrankheiten ausschaltet, kann Beschwerden deutlich lindern oder eine Erkrankung sogar ganz vermeiden.

Risikofaktor Rauchen

Ganz oben steht dabei die richtige Ernährung. Bewussteres, gesünderes Essen trägt ganz erheblich dazu bei, den Risikofaktoren für Bluthochdruck, erhöhte Blutfettwerte oder Diabetes entgegenzuwirken. Ein weiterer großer Risikofaktor, den jeder selbst kontrollieren kann, ist das Rauchen. Rund 18 Millionen Deutsche greifen zu Zigaretten und anderen Tabakprodukten. Dabei erhöht Rauchen nicht nur das Risiko, an Krebs zu erkranken, sondern es ist auch einer der folgenschwersten Mitverursacher vieler anderer Krankheiten: Bluthochdruck, ein hoher Cholesterinspiegel, ganz zu schweigen vom „Raucherhusten“. Die WHO schätzt, dass weltweit pro Jahr etwa sieben Millionen Raucher an den Folgen ihres Tabakkonsums sterben. 

Natürlich ist auch immer ausreichende Bewegung eine Investition in die eigene Gesundheit. Den Zusammenhang hat zum Beispiel eine Studie des Krebszentrums der Universität von Texas untersucht. In einem fünfjährigen Untersuchungszeitraum wurden Bewegungsmuster von 8.000 Probanden über 45 Jahren erstellt. Es zeigte sich, dass die Teilnehmer, die während der fünf Jahre am meisten saßen, ein um 82 Prozent höheres Risiko aufwiesen, an Krebs zu sterben als diejenigen, die sehr viel Bewegung in ihren Tagesablauf integrierten. Wer jeden Tag 30 Minuten Rad fährt, anstatt in dieser Zeit zu sitzen, verringert die Wahrscheinlichkeit eines Krebstodes der Studie zufolge um 31 Prozent. Spazierengehen senkt das Risiko um acht Prozent.

Schließlich können auch digitale und für jedermann einsetzbare Tools, wie zum Beispiel EKG-fähige Smartwatches oder Bewegungs-Apps, helfen, den Volkskrankheiten Paroli zu bieten. Zudem wird vom kommenden Jahr an die elektronische Patientenakte (ePA) ein weiteres wichtiges Hilfsmittel sein. Die Bundesregierung hat dafür im Juli den Weg frei gemacht. Wer will, kann dann in einer App alle Diagnosen, Medikamente und Rezepte speichern. Ärzten stehen dann alle Informationen auf einen Blick zur Verfügung. Die Bundesärztekammer sieht darin einen Schritt zu einem effizienteren Gesundheitssystem.

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