Krankheiten der Lunge

Der Lunge zuliebe

Von Michael Gneuss und Katharina Lehmann · 2019

Umweltgifte, Schadstoffe, Zigarettenrauch – unser Atmungsorgan muss jeden Tag viel wegstecken. Auf Dauer kann es sehr hohen Belastungen nicht standhalten. Vor allem langjährige Raucher entwickeln deshalb oft chronische Erkrankungen. Es lohnt sich, etwas für die Lunge zu tun.

Zwei Frauen meditieren in der Natur. Thema: Krankheiten der Lunge
Foto: iStock/Koldunov

Einmal tief einatmen, die Lungen mit Luft füllen und die neue Vitalität genießen, die der frische Sauerstoff durch den Körper pumpt – vor allem nach einem anstrengenden Workout tut ein tiefer Atemzug gut. Auch im Büroalltag entdecken wir das Atmen als Quell der Konzentra­tion. Wenige Minuten des kontrollierten Ein- und Ausatmens während einer Meditation genügen, um Stress und Ärger loszulassen und innere Ruhe und Ausgeglichenheit zu finden. Jeder, der regelmäßig meditiert, weiß: Im Alltag kommt unsere Lunge oft zu kurz, wir atmen unbewusst und oberflächlich. 

Dabei ist das Atmungssystem eine hochkomplexe Lebensfunktion: Etwa 23.000 Mal am Tag atmen wir ein und wieder aus, füllen die Lungenflügel mit frischer Luft, weiten den Brustkorb und versorgen so alle unsere Zellen über das Blut mit Sauerstoff. Mehr als 10.000 Liter Luft strömen so jeden Tag durch unsere Atemwege. Und das alles geschieht beinahe unbemerkt. Erst wenn die Lunge nicht mehr reibungslos funktioniert, lernen wir sie wirklich zu schätzen. Denn Atemnot ist nicht nur quälend, sie beeinträchtigt unseren gesamten Organismus.

Umweltgifte schaden der Lunge

Dabei ist die Lunge hochsensibel: Umweltgifte und Schadstoffe, Feinstaub und Allergene setzen ihr mächtig zu. Vor allem aber das Rauchen schädigt die feinen Flimmerhärchen, die engen Bronchien und die empfindlichen Lungenbläschen immens. Über 100 Millionen Staubpartikel, über 4.800 Chemikalien, darunter 250 Gifte, inhaliert ein Raucher mit jeder Zigarette. Etwa 90 davon sind nachgewiesenermaßen krebserregend – darunter Gifte wie Arsen, Blei, Cadmium, Formaldehyd, Benzol oder Nitrosamine. Kein Wunder, wenn die Lunge nach Jahren regelmäßigen Rauchens streikt und ihren Dienst versagt. 

Krankheiten der Lunge kündigen sich an

Die Folge: Raucherhusten und eine chronische Bronchitis, aus denen sich über die Jahre die Lungenerkrankung COPD, ein Lungenemphysem oder im schlimmsten Fall gar Lungenkrebs entwickeln. Bemerkbar macht sich die überlastete Lunge aber schon viele Jahre bevor lebensbedrohende Krankheiten wirklich entstehen: Husten, Auswurf und Kurzatmigkeit sind die ersten Anzeichen dafür, dass es der Lunge nicht gut geht. Treten diese Symptome an den meisten Tagen während mindestens je drei Monaten in zwei aufeinanderfolgenden Jahren auf, sprechen Ärzte von einer chronischen Bronchitis. 

Aus dieser Erkrankung können sich weitere chronische Lungenerkrankungen entwickeln. So zum Beispiel COPD und das Lungenemphysem. Allen gemein ist: Sie schädigen dauerhaft das Lungengewebe, zerstören die Lungenbläschen und führen zu Atemnot. Doch nicht nur das: Ist die Lunge krank, belastet die Blutdruckerhöhung im Lungenkreislauf auch das Herz – es bildet sich ein sogenanntes Cor pulmonale. Dabei muss das Herz mehr pumpen, die Muskeln der rechten Herzkammer werden immer dicker. So entsteht eine Rechtsherzinsuffizienz, weche die Herzmuskelzellen schädigt. Zudem entwickeln viele Patienten eine Depression, werden immer schwächer und müder. Sie nehmen ab, die Muskeln bauen ab, weil die Zellen nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt werden. Zusätzlich entwickelt sich bei vielen Betroffenen eine
Osteoporose. 

Medikamente, Sport und Rauchstopp

Linderung schafft bei vielen Lungen­erkrankungen eine Kombination aus bronchienerweiternden und entzündungshemmenden Medikamenten. Dabei ist es wichtig, dass Betroffene ihre Therapie genauestens befolgen. Denn nur wenn die Medikamente regelmäßig eingenommen werden, können sie ihre volle Wirkung entfalten, die Symptome lindern und das Fortschreiten der Krankheit aufhalten. 

Doch auch körperliche Aktivität verbessert Lungenfunktion und Lebensqualität. Wer regelmäßig Sport treibt, kann die Anforderungen des Alltags länger meistern und sich selbst versorgen. Geeignet sind insbesondere Lungensportgruppen. Das Training wird speziell auf die Bedürfnisse der Betroffenen zugeschnitten. In einer solchen Gemeinschaft haben die Patienten zudem die Chance, sich mit anderen Betroffenen auszutauschen. Nicht zuletzt zählt aber der Rauchstopp zu den effizientesten Maßnahmen, das Fortschreiten einer Lungenerkrankung zu verhindern.    

Lebenserwartung von Mukoviszidose-Patienten nimmt zu

Hoffnung für Mukoviszidose-Patienten: Kinder, bei denen heute die erblich bedingte Stoffwechselkrankheit diagnostiziert wird, haben eine Lebenserwartung von etwa 50 Jahren. In den vergangenen Jahrzehnten ist die Lebenserwartung dank intensiver Forschung stark gestiegen. So hat sich das mittlere Sterbealter von rund fünf Jahren in den Sechzigerjahren auf derzeit etwa 35 Jahre erhöht. Vor 80 Jahren wurden Kinder mit der Diagnose Mukoviszidose kein Jahr alt.

Etwa 8.000 Menschen in Deutschland leiden an Mukoviszidose. Jährlich werden hierzulande etwa 150 bis 200 Kinder mit der Erkrankung geboren. Durch eine Störung des Salz- und Wasserhaushaltes bildet sich bei Betroffenen ein zähflüssiges Sekret im Körper, das Organe wie die Lunge und die Bauchspeicheldrüse irreparabel schädigt. Wissenschaftsinstitute auf der ganzen Welt investieren viel in die Forschungsarbeit, um Behandlungsmethoden und womöglich sogar ein Heilmittel zu finden. Eine kostenlose Früherkennungsuntersuchung für Ungeborene auf die Erbkrankheit gibt es bereits.

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