Zivilisationskrankheiten

Frühzeitig handeln – lange fit bleiben

Von Tobias Lemser · 2024

Herz-Kreislauf-, Krebs- oder Magen-Darm-Erkrankungen: Was alle drei Leiden eint? Sie gehören zur Gruppe der Volkskrankheiten. Immer mehr Menschen sind davon betroffen und stellen das Gesundheitswesen vor große Herausforderungen. Umso wichtiger ist es, der Prävention noch mehr Beachtung zu schenken. Politik und Eigeninitiative sind gefragt.

Bei anhaltenden Beschwerden sollte eine Arztpraxis aufgesucht werden.
Bei anhaltenden Beschwerden sollte eine Arztpraxis aufgesucht werden. Foto: iStock / pcess609

Die Zeit einfach zurückdrehen und kurzzeitig in einem anderen Jahrhundert leben – ein Traum, der für viele Menschen einen besonderen Reiz hätte. Zu unterschiedlich die Lebensbedingungen damals und heute. Kaum nachzuvollziehen, wie sich die Welt bis heute weitergedreht hat – insbesondere in der Medizin. Man denke nur an Infektionskrankheiten wie Tuberkulose, Cholera, Diphtherie oder Wundinfektionen, die im 19. Jahrhundert noch die Haupttodesursache weltweit waren. Allein in Deutschland mussten deshalb Hunderttausende Menschen ihr Leben lassen.

Besonders Ärzten wie Robert Koch ist es zu verdanken, dass viele damals tödliche Krankheiten heute kaum noch diagnostiziert werden. Dadurch dass es ihm und seinen Weggefährten gelang, Infektionserreger und Ansteckungswege gezielt zu identifizieren, konnten neue wirkungsvolle Therapien und Präventionsmaßnahmen entstehen, die vielen Menschen das Leben gerettet haben.


Weitverbreitet und kostenintensiv sind Zivilisationskrankheiten

Heute kämpft unsere Gesellschaft mit ganz anderen Krankheiten, die zudem, begünstigt durch unsere Lebensbedingungen und die demografische Alterung, kontinuierlich zunehmen – allen voran Herz-Kreislauf- und Tumorerkrankungen, die Volkskrankheiten Nummer eins. Rund 341.000 Menschen starben im Jahr 2021 an den Folgen einer Erkrankung unseres Herz-Kreislauf-Systems, 229.100 Menschen erlagen einem Krebsleiden. Aber auch Magen-Darm-Erkrankungen, Diabetes, Bluthochdruck, Infektions- und Lungenerkrankungen, Rheuma und Demenz zählen zur Riege der Volkskrankheiten.

Doch wann spricht man genau von einer Volkskrankheit? Eine einheitliche wissenschaftliche Definition gibt es nicht. Grundsätzlich beschreibt der Begriff Zivilisationskrankheiten, die in der Bevölkerung weitverbreitet sind und entsprechend zu beträchtlichen Kosten führen, etwa durch Arbeitsunfähigkeit, krankheitsbedingte Fehlzeiten und Pflegebedürftigkeit. Da mit zunehmendem Alter häufig auch die Zahl der Erkrankungen steigt, sollten diese nicht unterschätzt werden.

Mehr Eigenverantwortung

Fakt ist: Volkskrankheiten können jede und jeden treffen. Aber es gibt auch viele Optionen, präventiv dagegen vorzugehen und sich abzusichern. Ob Übungen gegen Stress, kleine Auszeiten zur Entspannung, Badekuren oder stationäre Vorsorgeleistungen: nur wenige Beispiele, die helfen, eine geschwächte Gesundheit zu verbessern sowie die Fähigkeiten zur Selbsthilfe und Eigenverantwortung zu stärken. Grundsätzlich sind wir alle  gefragt, denn wie stellte der „Wasserdoktor“ Sebastian Kneipp (1821–1897) einst fest: „Wer nicht jeden Tag etwas für seine Gesundheit aufbringt, muss eines Tages sehr viel Zeit für die Krankheit opfern.“

Studie über präventive Maßnahmen

Welches der Deutschen liebstes Vorsorgeinstrument ist, hat der digitale Versicherungsmanager Clark in Zusammenarbeit mit YouGov in einer Studie erfragt. Ergebnis: 53 Prozent der Befragten sprachen sich in der im Sommer 2022 veröffentlichten repräsentativen Untersuchung für gesunde Ernährung aus. Etwa die Hälfte der Befragten gab zudem an, nicht zu rauchen. Ärztliche Vorsorgeuntersuchungen einzuhalten ist für 47 Prozent wichtig, 46 Prozent erwähnten, regelmäßig Sport zu treiben. Ein Drittel der Deutschen versucht auch, auf seine mentale Gesundheit zu achten, beispielsweise durch Meditation oder eine gesunde Work-Life-Balance.

Prävention politisch stärken

Wie wichtig Vorsorgemaßnahmen sind, weiß man auch im Bundesgesundheitsministerium, deshalb sind konkrete Schritte zur Prävention nicht übertragbarer Krankheiten geplant. Neben Krebs und Demenz richtet es nun auch den Fokus auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Ziel der Ende Oktober von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach angekündigten Maßnahmen ist es, vor allem die Früherkennung und Behandlung von Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu verbessern. Und Gründe dafür gibt es genug: Zwar steckt Deutschland laut Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung und Max-Planck-Institut für demografische Forschung im direkten Vergleich mit 16 westeuropäischen Ländern am meisten Geld in die Gesundheit, gleichzeitig gehört es der im Mai 2023 vorgestellten Studie zufolge bei der durchschnittlichen Lebenserwartung seiner Bevölkerung nur zu den Schlusslichtern – was in erster Linie an den Defiziten bei der Vorbeugung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen liegt.

Moderne Technologien bei Krebs

Neben wirkungsvollen Präventionsmaßnahmen fordern kardiovaskuläre Fachgesellschaften ebenso verbesserte Forschungsbedingungen – trotz großer Erfolge, welche bereits in den vergangenen Jahrzehnten erzielt wurden. Gerade bei der Therapie von Tumorerkrankungen hat die Forschung viel erreicht und konnte letztlich Leben retten. Beispielhaft hier sind Immuntherapien, die bei bestimmten Leukämie- und Lymphdrüsenkrebsformen nicht mehr wegzudenken sind. Wichtig jedoch: Um diese modernen Krebstherapien durchführen zu können, braucht es zahlreiche und umfangreiche Analysen. Ohne Künstliche Intelligenz würde zum Beispiel die Biopsie von Krebszellen kaum funktionieren – sei es zur Entschlüsselung genetischer Baupläne oder molekularer Profile. Dank Künstlicher Intelligenz können Daten vereinheitlicht und so für Onkologinnen und Onkologen, Forschende und Experimentierende in ihren Studien lesbar gemacht werden. Überhaupt ergänzen Studien nicht nur bestehende Datenquellen wie Statistiken oder Prozessdaten der Krankenkassen. Auch liefern sie umfassende und belastbare Daten zu neuen Medikamenten oder Therapien – mit dem obersten Ziel, Patientinnen und Patienten bei der Bewältigung von Volkskrankheiten zu unterstützen und ihnen zu einer verbesserten Lebensqualität zu verhelfen.

Quelle:
https://dzhk.de/das-dzhk/kooperationen/deutsche-gesellschaft-fuer-kardiologie/

 

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