Was ist Skoliose?

Wenn der Rücken es krumm nimmt

Von Johanna Tüntsch · 2019

Jolinas Wirbelsäulenverkrümmung entwickelte sich schnell – und zunächst völlig unbemerkt. „Bloß keine Operation“, dachte sie anfangs. Heute ist sie froh darüber, durch den Eingriff geheilt zu sein. Ein Patientenbericht von Johanna Tüntsch für das Deutsche Skoliose Netzwerk.

Wenn der Rücken es krumm nimmt

Den Sommer 2017 wird Jolina wahrscheinlich nie vergessen. Einen Tag vor den Ferien wurde bei ihr unvermittelt eine Skoliose festgestellt. „Ich ging bei uns zu Hause die Treppe runter. Mein Vater war hinter mir. Plötzlich sah er, dass meine Schulter merkwürdig hervorstand. Er fragte, ob ich gestürzt sei? Aber ich konnte mich an nichts Derartiges erinnern. Also gingen wir direkt zum Orthopäden“, erinnert sich die heute 15-Jährige. In der gleichen Praxis war sie wenige Monate zuvor zu einer Routineuntersuchung gewesen – mit völlig unauffälligen Befunden. Dementsprechend konnte der Mediziner erst kaum glauben, was er im Röntgenbild sah: eine Wirbelsäulenverkrümmung um 35 Grad! Jolina hatte eine Skoliose. Für die Familie völliges Neuland. „Die Skoliose hatte sich sehr schnell entwickelt und wurde auch in großen Schritten schlimmer“, erzählt die Schülerin. „Als der Arzt bei einem der Termine zu meinen Eltern sagte, dass vielleicht eine Operation nötig sei, habe ich nur den Autoschlüssel meiner Mutter gegriffen und bin nach draußen gelaufen. Das war ein Albtraum für mich!“ Jolina verdrängte das Thema, so gut es ging. In der Schule sprach sie nach Möglichkeit nicht darüber. Nur einige Lehrer waren eingeweiht. Bald war die Schülerin nämlich auf deren Verständnis angewiesen: Sie hatte zunehmend Schmerzen und war durch die Skoliose unter anderem im Sportunterricht eingeschränkt. Jolinas Eltern machten sich große Sorgen und litten doppelt, weil die Tochter so gar nicht reden wollte. Es war eine schwere Zeit für die Familie. 

Entscheidung in der Silvesternacht

Der Versuch, die Skoliose mit Korsett und Physiotherapie zu behandeln, scheiterte schon nach wenigen Monaten. In der Silvesternacht 2017/18 traf Jolina schließlich die Entscheidung, zu der mehrere Ärzte schon längst geraten hatten: „Ich sprach mit meinen Eltern darüber, dass 2018 wohl die Operation anstünde. Schon in der ersten Januarwoche habe ich dann in der Klinik angerufen.“

Angst vor der Operation

Operiert wurde sie im Sana Dreifaltigkeits-Krankenhaus in Köln bei Dr. Biren Desai. Zum Zeitpunkt des Eingriffes, im März 2018, hatte die Wirbelsäule bereits eine Krümmung um 65 Grad. ,,Ich hatte schreckliche Angst davor, nach der Operation aufzuwachen und für immer im Rollstuhl zu sitzen“, so die junge Patientin. Eine Sorge, die zum Glück unbegründet blieb: Schon nach wenigen Wochen konnte sie wieder zur Schule gehen.

Zurück im Schulalltag

Rückblickend sieht Jolina ihre Erkrankung lockerer. „Wenn ich vorher mit meinen Mitschülern darüber gesprochen hätte, hätte es weniger Gerüchte darüber gegeben, warum ich so lange ausgefallen bin“, meint Jolina. Selbst ihrer besten Freundin hatte sie zwei oder drei Monate lang überhaupt nicht von der Skoliose erzählt.

Heute, ein Jahr nach der Wirbelsäulenkorrektur, führt die Jugendliche ein Leben wie andere in ihrem Alter auch. Sie legt sich in der Schule ins Zeug, macht bei „Jugend debattiert“ mit, malt gerne und trainiert auch wieder im Turnverein. „Ich kann nicht mehr jede Verrenkung machen, aber ein Rad schlagen oder einen Handstand, das kriege ich noch gut hin!“ Noch etwas hat sich geändert: Jolina hat jetzt eine Vorstellung davon, was sie nach dem Abitur werde möchte. „Chirurgin! Das hat mir meine Geschichte gezeigt“, lächelt sie.

Schnelltest: Ist Ihr Kind gefährdet?

Es gibt einen einfachen Test, der ohne jeden technischen Aufwand von allen Eltern zur Früherkennung einer Skoliose vorgenommen werden kann. Folgendes ist dabei zu tun: 

• Ihr Kind beugt mit locker hängenden Armen und durchgestreckten Beinen den nackten Oberkörper nach vorn. 

• Betrachten Sie von der Gesäß- oder Kopfseite aus den Rücken Ihres Kindes und achten darauf, ob der Rücken beiderseits der Wirbelsäule gleich hoch ist. 

• Wenn sich eine Rückenhälfte nach hinten vorwölbt (beginnender Rippenbuckel) – wobei die andere meist besonders flach erscheint (Rippental) – besteht der Verdacht auf eine Verdrehung der Wirbelsäule und damit auf eine Skoliose. In diesem Fall sollte das Kind unverzüglich dem Kinder- und Jugendarzt vorgestellt werden. 

Auf der Seite www.deutsches-skoliose-netzwerk.de finden Sie Hilfe bei Fragen rund um Diagnostik, Therapie, Operation und Rehabilitation.

Weiterführende Artikel

Array
(
    [micrositeID] => 36
    [micro_portalID] => 26
    [micro_name] => Gesund und schmerzfrei leben
    [micro_image] => 4611
    [micro_user] => 1
    [micro_created] => 1474976944
    [micro_last_edit_user] => 1
    [micro_last_edit_date] => 1569404062
    [micro_cID] => 1238
    [micro_status] => 1
    [micro_cache] => 0
    [deleted] => 0
)