Implantate

Hightech zwischen zwei Wirbeln

Von Tobias Lemser · 2018

Implantate sind aus der Orthopädischen Chirurgie nicht mehr wegzudenken – was auch auf die Wirbelsäulenchirurgie zutrifft, die mit immer neuen Entwicklungen für Aufsehen sorgt. Wichtig: Die Prothesen müssen hohe Anforderungen erfüllen – um keine Allergien auszulösen, aber auch um bildgebende Diagnostiken zu erlauben.

Mediziner betrachtet Röntgenbild einer Wirbelsäule
Nur strahlendurchlässige Implantate ermöglichen eine uneingeschränkte Diagnostik.

Ob Akupunktur, Kortison-Spritzen oder Physiotherapie: Dauerhaft Rückengeplagte kennen wahrscheinlich alle Medikamente und Therapien im Kampf gegen Kreuzschmerzen. Schuld sind nicht selten Abnutzungserscheinungen, die ihre Spuren hinterlassen. Bringen konservative Therapien keine Besserung, sind zumeist Implantate das Mittel der Wahl, sei es bei Deformitäten der Wirbelsäule, Bandscheibenvorfällen oder auch bei einer Spinalkanalstenose. Für letztere Krankheit kennzeichnend ist eine Einengung des Nervenkanals in der Wirbelsäule, die mit Schmerzen, Taubheit und Brennen einhergehen kann. Damit die eingeengten Nervenwurzeln wieder mehr Platz gewinnen, wird mithilfe eines Implantats der Abstand zwischen den Dornfortsätzen aufgespreizt und erweitert. So können Rücken- und Beinschmerzen schnell abklingen.

Hohe Anforderungen an Materialien

Damit jedoch Implantate keine Komplikationen verursachen, müssen sie strengen Vorschriften genügen. Neben zu schnellen Abnutzungserscheinungen gehört das mögliche Auslösen von Allergien zu den absoluten No-Gos. Wer möchte schon direkt nach Einsetzen des Implantates direkt wieder auf dem OP-Tisch landen. Insbesondere Metalle, wie Nickel, Kobalt und Chrom, haben ein erhöhtes Potenzial für allergische Reaktionen. Und zwar nicht nur bei direktem Kontakt mit der obersten Hautschicht, sondern auch mit tieferen Gewebeschichten. Wird eine Kontaktallergie gegen bestimmte Metalle nachgewiesen, gibt es heutzutage Alternativen zum Beispiel aus Titan, aber auch immer häufiger aus dem Hochleistungskunststoff PEEK, teils in Kombination mit anderen nicht-metallischen Materialien. Zudem sind moderne Implantate mit diversen Bildgebungsverfahren kompatibel. Warum ist das wichtig? Bei der Behandlung von Wirbelsäulentumoren etwa ermöglicht die Strahlendurchlässigkeit eine bessere Abgrenzung des Tumors von gesundem Gewebe. So kann die Tumorbehandlung optimiert und die Nachkontrolle erleichtert werden.

3D-Druck nimmt an Fahrt auf

Wo geht künftig die Reise hin? Stichwort: 3D-Druck, der bereits in der Knieprothetik für maßgeschneiderte Prothesen sorgt. Und nicht nur da: Auch Wirbelsäulen-Implantate kommen immer häufiger aus dem 3D-Drucker. Neueste funktionelle Modelle aus Titan haben den Vorteil, sich an die individuellen Gegebenheiten anzupassen. Pluspunkt: Durch die formlose Konstruktion des Bauteils sind hohe Material- und Kostenersparnisse möglich. Auch werden laut Experten zukünftig Degenerationserkrankungen der anschließenden Wirbel deutlich seltener auftreten – was zu weniger Beschwerden bei den Patienten und Therapien im Kampf gegen Kreuzschmerzen führen könnte.

Wussten Sie schon, dass ...

Wirbelsäulenimplantate auch zur Stabilisierung der Wirbelsäule bei einer Tumorbehandlung eingesetzt werden? 

Wirbelsäulentumoren machen ungefähr fünf bis zehn Prozent* aller Tumoren des zentralen Nervensystems aus. Etwa die Hälfte der Patienten, die – auch in anderen Körperregionen – an einem Malignom, also einem bösartigen Tumor, erkranken, entwickeln jedoch Knochenmetastasen, die häufig im Bereich der Wirbelsäule auftreten. 

Kommt es zu einer Operation, wird der Tumor weitestmöglich entfernt und die Wirbelsäule durch ein Wirbelkörperersatzimplantat und ein Schraub-Stab-System stabilisiert. 

Kann der Tumor nicht vollständig entfernt werden, wird in einer begleitenden Therapie oftmals eine Bestrahlung durchgeführt, um das verbleibende befallene Gewebe zu beseitigen. Wichtig ist dabei, dass das verwendete Implantatmaterial strahlendurchlässig ist. 

*Quelle: Schulthess Klinik, 2018

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