HIV-Therapie

Weniger Infizierte bei besseren Therapien

Von Tobias Lemser · 2020

Auch wenn das Human Immunodeficiency Virus (HIV) noch immer unheilbar ist, können Betroffene inzwischen ein fast normales Leben führen. Welche Therapieansätze dies heute möglich machen und womit positiv getestete Menschen nach wie vor zu kämpfen haben.

Rote Boxhandschuhe und rote AIDS Schleife als Zeichen für den Kampf gegen AIDS
Foto: iStock/Zahar2000

Bis heute gehört er zu den schillerndsten Popmusikern. Seine Hits drehten sich auf Millionen von Plattentellern und füllten weltweit die größten Stadien. Aber auch eine traurige Seite machte Freddie Mercury bekannt. Der Frontmann von Queen war HIV-positiv und starb im November 1991. Das Dramatische: Damals nahm die Erkrankung fast immer einen tödlichen Verlauf.

Rückläufige Infektionszahlen 

Glücklicherweise hat sich seitdem viel getan. Zum einen ist die geschätzte Gesamtzahl der HIV-Neuinfektionen immens zurückgegangen. Während sich Mitte der 1980er-Jahre bundesweit rund 5.500 Menschen ansteckten, gab es zuletzt jährlich nur noch 2.400 Fälle. Der positive Trend ist laut Robert Koch-Institut vor allem auf die erhöhte Testbereitschaft bei Männern, die mit Männern Sex haben, und die Ausweitung der Testangebote zurückzuführen. Zum anderen zeige die Empfehlung eines sofortigen Therapiebeginns Wirkung. Immer mehr HIV-Infizierte erhalten eine antiretrovirale Behandlung, um die Vermehrung der Viren im Körper zu unterdrücken. 

HIV-Therapie verhindert Übertragung 

Vom Therapieansatz, der mehrere Präparate miteinander kombiniert, konnten rund 93 Prozent der Betroffenen im Jahr 2018 hierzulande profitieren. Während manche HIV-Medikamente verhindern, dass das Virus in die Zellen eindringt, verfolgen andere das Ziel, dass eine infizierte Zelle keine neuen Viren freisetzt. Heißt: HIV-Infizierte, die rechtzeitig mit der Therapie beginnen, haben gute Karten, bei guter Lebensqualität beinahe genauso alt zu werden wie gesunde Menschen. Hinzu kommt: Bei erfolgreicher Therapie ist das Virus weder im Blut nachweisbar noch durch Sperma oder Vaginalsekret übertragbar.

Trotzdem haben Betroffene auch heute noch mit Stigmatisierung zu kämpfen. Beim Zahnarzt oder selbst in Krankhäusern werden HIV-Patienten nicht oder nur bedingt behandelt. Zu groß noch immer die Angst vor der Ansteckungsgefahr. Folge: Viele Betroffene geben ihre Erkrankung aus Angst vor Diskriminierung nicht preis – so wie Mercury, der sie bis einen Tag vor seinem Tod geheim hielt – und ziehen sich zurück. Grund, weshalb das Thema Aids aus der öffentlichen Wahrnehmung verschwindet. Eine immense Gefahr gerade für Jugendliche: Denn fehlt die Sensibilisierung dafür, sich mit Kondomen zu schützen, könnten sich die Ansteckungszahlen wieder erhöhen.

Wussten Sie schon, dass …

... die Zahl der HIV-Infizierten hierzulande bis Ende 2018 auf 87.900 gestiegen ist?

... die Zahl der geschätzten HIV-Neuinfektionen bei Männern, die gleichgeschlechtlichen Sex haben, von rund 2.200 im Jahr 2013 auf 1.600 im Jahr 2018 zurückging?

... etwa jede dritte Neuinfektion erst mit einem fortgeschrittenen Immundefekt diagnostiziert wird?

... die HIV-Behandlungsleitlinien seit dem Jahr 2015 besagen, jede diagnostizierte HIV-Infektion in Deutschland umgehend antiretroviral zu therapieren?

Quellen: 
https://www.aidshilfe.de/
https://www.hivandmore.de/

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