Eine besondere Generation

Heute schon an morgen denken

Von Nadine Effert · 2017

50plus-Mode, 70plus-Ferien, 80plus-Küchen? Davon wollen die meisten Best Ager nichts hören. Der Trend geht hin zu einer alterslosen Gesellschaft, in der die über 50-Jährigen ihre Entscheidungen aufgrund individueller Bedürfnisse treffen – und nicht aufgrund ihres Geburtsjahres. Doch Freiheit und Selbstbestimmtheit bis ins hohe Alter sind keine Selbstläufer.

Die Kultur des Alterns hat sich im Laufe der Jahre in der westlichen Welt verändert. Wir werden heute anders alt als unsere Eltern und Großeltern. Die Best Ager von heute fühlen sich länger jung und rebellieren immer öfter gegen traditionelle Altersstereotypen. Für diese Gruppe Junggebliebener gibt es sogar einen eigenen Terminus: die sogenannten Rebel Ager. Mit 50 noch mal den Beruf wechseln oder ein Studium beginnen? Mit 70 mit dem Fallschirm aus dem Flugzeug springen oder einen Marathon laufen? Oder mit 80 noch mal heiraten? Warum nicht? Für viele Best Ager ist das Realisieren von privaten und beruflichen Wünschen längst nicht mehr eine Frage des Alters. Schließlich sind die Kinder aus dem Haus und mit dem Eintritt ins Rentenalter ist dann auch endlich genügend Zeit vorhanden. Lediglich die Gesundheit kann dem einen oder anderen einen Strich durch die Rechnung machen. Auch wenn die Lebenserwartung gestiegen ist, die biologischen Abbauprozesse lassen sich nicht aufhalten – noch nicht. Zumindest äußerlich können wir dem Alter bereits ein Schnippchen schlagen, die ästhetische Medizin und Beauty-Branche lässt grüßen. 

Für immer gesund?

Einer, der das „innere Alter“ überlisten will, ist der Biotech-Pionier Craig Venter. Der 70-jährige US-Amerikaner entschlüsselte als Erster im Jahr 2001 das menschliche Erbgut. Ein Jahr zuvor entwickelte er ein Bakterium mit dem kleinstmöglichen Erbgut, das zum Überleben notwendig ist. Sein neuester Clou: die Gesundheitsplattform
„Health Nucleus“. Dort bietet der Genforscher einen Gesundheits-Check-up der besonderen Art an: Dabei werden das persönliche Genom und Mikrobiom analysiert, mit einem dreidimensionalen Body-Scan kleinste Veränderungen an den Organen sichtbar gemacht oder auch die chemischen „Fingerabdrücke“ der Leberzellen unter die Lupe genommen. Allerdings nur bei Menschen, die es sich auch leisten können: Zwischen 18.000 und 46.000 Euro kostet die Hightech-Präventionsmaßnahme. Dass Venters Gendatenbank auch Kritiker auf den Plan ruft, dürfte keinen wundern. 

Zurück zur Realität. Fakt ist, dass die Gesundheit für die Deutschen das höchste Gut ist. Laut einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa im Auftrag von Easy Credit ist daher über die Hälfte der Deutschen über 50 bereit, ihr Geld insbesondere in private Gesundheits- und Pflegeleistungen zu stecken. Vier von fünf Befragten ist die Gesundheit das wichtigste Grundbedürfnis – gefolgt von einer harmonischen Partnerschaft, Zeit mit der Familie, einem schönen Zuhause und finanzieller Sicherheit und Vorsorge für die Zukunft. Wunsch und Wirklichkeit klaffen jedoch auch teils auseinander: Obwohl den meisten Gesundheit und Wohlbefinden sehr wichtig sind, zeigen sich nur 21 Prozent damit sehr zufrieden. Ein ähnliches Bild zeigt sich beim Blick auf die finanzielle Sicherheit: Gerade einmal 18 Prozent sind mit ihrer Vorsorge im Alter sehr zufrieden, obwohl 45 Prozent der Befragten das Thema sehr wichtig ist. 

Sorglos in die Rente

Heute schon an morgen denken – diese Devise gilt nicht nur in puncto Gesundheit, wenn es darum geht, mit einem gesunden Lebensstil und der Teilnahme an Vorsorgeuntersuchungen möglichst lange im Alter gesund zu bleiben. Den Berechnungen des Bundesarbeitsministeriums zufolge droht allen Arbeitnehmern mit weniger als 2.500 Euro brutto im Monat ab 2030 eine Rente unter dem Grundsicherungsbedarf von 688 Euro. Bis zu eine Million Rentner arbeiten aktuell in Mini- oder Teilzeitjobs, so die Schätzung der Bundesagentur für Arbeit. Das sinkende Rentenniveau und die Tatsache, dass wir im Idealfall lange leben, erfordert frühzeitige Entscheidungen für eine Altersvorsorge ohne Rentenlücke, um eine Altersarmut zu vermeiden. Heutzutage ist die eigene Vorsorge mehr denn je gefragt – damit Reisen, Hobbys und eine umfassende Gesundheitsversorgung im Alter nicht in weite Ferne rücken.

Umfrage zur Absicherung im Rentenalter, Quelle: ARD-DeutschlandTREND, 2016

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