Cluster-Kopfschmerzen behandeln

In Etappen dem Wahnsinn nahe

Von Sarah Schroth · 2016

Schwarz-Weiß-Aufnahme: Mann legt seinen Kopf in die Hände. Bei Cluster-Kopfschmerzen hat man sehr starke Schmerzen.

Cluster-Kopfschmerzen zählen zu den stärksten Schmerzen, die ein Mensch erleiden kann. Im Internet kursieren zahlreiche Videos von Betroffenen, die verzweifelt den Kopf gegen die Wand hämmern oder sich schreiend im Bett wälzen. Unbehandelt werden einige sogar vom Schmerz in den Suizid getrieben, was der Erkrankung den Zweitnamen „Suizidkopfschmerz“ verleiht.

Als würde man einen glühenden Stab durchs Auge stechen oder ein Messer direkt ins Gehirn – es sind höllische Schmerzen, die der Cluster-Kopfschmerz verursacht. Nach Angaben der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) ist von etwa 120.000 Betroffenen in Deutschland auszugehen – darunter hauptsächlich junge Männer um die dreißig. Der Schmerz, der von Patienten als stechend und hämmernd empfunden wird, ist einseitig und befindet sich in der Regel direkt hinter dem Auge. Die Beschwerden treten periodisch alle paar Wochen bis Monate über mehrere Tage in Gruppen beziehungsweise Clustern auf. Patienten berichten von bis zu acht Attacken pro Tag von einer Länge zwischen 15 und 180 Minuten, die sie vor allem nachts und in den frühen Morgenstunden aus dem Schlaf reißen. Danach folgt eine beschwerdefreie Phase, die Wochen, teilweise sogar Jahre andauern kann.

Eindeutige Symptome, unklare Ursache

Neben den zerreißenden Kopfschmerzen sind ein stark gerötetes, tränendes, manchmal auch geschwollenes Auge und Nasenlaufen typisch. Anders als bei der Migräne, wo Patienten Ruhe und Dunkelheit suchen, sind Personen mit Clusterschmerzen extrem unruhig und bewegen sich oft wie von der Tarantel gestochen umher. Ein weiterer Unterschied zur Migräne besteht in der Dauer der Attacken, die bei einer Mi­gräne mehrere Stunden andauern und vermehrt von Übelkeit und Erbrechen begleitet sind. Die Ursachensuche zeigt bisher nur mäßige Erfolge. Moderne bildgebende Verfahren konnten festgestellt, dass die Hirnregion, die den Tag-Nacht-Rhythmus steuert, während den Attacken aktiv ist. Die genaue Bedeutung und der Zusammenhang dieser Aktivität mit den Schmerzen sind aber unklar. Andere Studien deuten darauf hin, dass Störungen im Netzwerk des Gehirns, also den komplexen Verschaltungen zwischen den Hirnzellen, für die Schmerzen verantwortlich sein könnten. 

Cluster-Kopfschmerzen behandeln: Von Sauerstoff bis Injektionen 

Obwohl Cluster-Kopfschmerz im Augenblick noch nicht heilbar ist, gibt es einige Möglichkeiten, die Schmerzen zu lindern. In der akuten Phase erlöst das Einatmen von hundertprozentigem Sauerstoff über eine Atemmaske etwa 80 Prozent der Betroffenen innerhalb von wenigen Minuten von den Qualen. Auch spezielle Schmerzmittel, die sogenannten Triptane, die auch bei der Migräne eingesetzt werden, können in Tablettenform oder alternativ auch als Nasenspray oder Injektion rasch Abhilfe schaffen. Sehr schwere Fälle können operativ behandelt werden. Die Implantation eines Neurostimulators unterhalb der Schädelbasis kann die Anfälle unterdrücken. Die Wirkung ist jedoch begrenzt und kommt deshalb nur in besonderen Härtefällen zur Anwendung. Ein relativ neues Verfahren, das bereits bei anderen Erkrankungen wie Morbus Parkinson eingesetzt wird, ist die tiefe Hirnstimulation. 

Quelle: MigräneLiga e.V. Deutschland, 2015

LSD gegen Kopfschmerzen?

Einen ganz anderen Ansatz bieten Naturheilverfahren. In Patientenforen wird von Erfolgen durch purin- und histaminarme Diät berichtet, ebenso sollen Vitamin B und D-Präparate und die (illegale!) Einnahme psychodelischer Substanzen wie halluzinogene Pilze und LSD helfen. Letztere waren sogar schon vor einigen Jahren Gegenstand der medizinischen Forschung: So haben der US-Psychiater John Halpern und Torsten Passie von der Medizinischen Hochschule Hannover in einer Studie die Wirkung eines nicht-halluzinogenen LSD-Derivats untersucht. Der Effekt war enorm: Einige der Patienten, die vorher täglich Attacken hatten, hatten monatelang keine, berichtete Halpern. Damit wollten die Forscher nachweisen, dass der Effekt auf Kopfschmerzen nicht unbedingt mit der halluzinogenen Wirkung zusammenhängt und dass in Zukunft neue abgewandelte Moleküle psychedelischer Drogen den Weg für neue Medikamente weisen könnten.

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