Multiple Sklerose

Eine Krankheit, tausend Gesichter

Von Sara Bertsche · 2018

Detailansicht Beratungsgespräch: Arzt macht sich Notizen
Die Multiple Sklerose nimmt oftmals einen ungewissen Verlauf.

Sehstörungen, Stolpern, dauerhafte Lähmungen: Die Symptome von Multipler Sklerose sind so vielfältig wie ihre Verlaufsformen. Forscher entwickeln zur Zeit emsig verbesserte Therapien, die Patienten auf Dauer Lebensqualität sichern. Neueste Studien verraten auch, dass Rauchen und der Umgang mit Lösungsmitteln die Krankheit auslösen können.

Was ist, wenn ich beim Fahrradfahren plötzlich doppelt sehe? Darf ich schwimmen gehen, obwohl mein Bein unverhofft steif werden könnte? Ist es klug, eine Reise zu buchen, wenn ich doch nicht weiß, wann der nächste Schub kommt? Diese sind nur einige von vielen Fragen, die Patienten mit Multipler Sklerose (MS) plagen. Denn ungewiss ist der Verlauf der chronisch-entzündlichen, nicht heilbaren Erkrankung des Zentralen Nervensystems, die Betroffene in unterschiedlicher Weise motorisch, kognitiv und psychisch beeinträchtigt. Zittern, Hautkribbeln, taube Gliedmaßen und Depressionen können die Folge sein. Das Bundesversicherungsamt zählt hierzulande mehr als 200.000 MS-Patienten – am häufigsten erkranken Frauen zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr. Die Betroffenen haben es dann mit körpereigenen fehlgeleiteten Immunzellen zu tun, welche die „Schutzschicht“ (Myelinscheide) der Nervenfasern am Rückenmark angreifen, sodass Signale des Gehirns nicht adäquat übertragen werden können. 

Multiple Sklerose: Verlauf und Therapie

Rund 85 Prozent leiden unter einer schubförmig remittierenden MS: Die Symptome klingen nach Wochen wieder ab und das entzündete Nervengewebe vernarbt, im Fachjargon sklerosieren genannt. Bei etwa 40 Prozent geht die Krankheit nach 15 Jahren in einen chronischen Verlauf über – doch viele Patienten kommen dann immer noch dank besserer Therapien ohne Rollstuhl aus. Je früher die Diagnose gestellt und Therapiemaßnahmen eingeleitet werden, desto besser: Neue Medikamente richten sich zielgerecht gegen B-Lymphozyten, die die Entzündung an der Myelinscheide verursachen, sodass die Symptome lange gelindert werden können. Dazu kann Physio- oder Ergotherapie verordnet werden, da es gilt, so lange wie möglich mobil zu bleiben.

Den Ursachen auf der Spur

Die Kassenärztliche Versorgung gibt an, dass sich in Deutschland die Zahl der MS-Kranken in den letzten 40 Jahren verdoppelt hat. Das mag zum einen an der höheren Lebenserwartung liegen, im Verdacht stehen aber auch Umweltfaktoren wie eine frühe Infektion mit dem Epstein-Barr-Virus und ein genetisches Merkmal namens „HLA-Anlage“, welches das Risiko, zu erkranken, um den Faktor 30 erhöhen soll. Zudem hat die Wissenschaftlerin Anna Karin Hedström vom Karolinska Institut Stockholm in einer Studie vom Juli 2018 gezeigt, dass junge Menschen, die rauchen und regelmäßig mit Lösungsmitteln in Kontakt kommen (zum Beispiel als Lackierer), ein fünffach höheres Risiko tragen, da die giftigen Substanzen die fehlgeleitete Immunreaktion auslösen können. 

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