Schluckstörungen

Das unterschätzte Symptom

Von Sarah Schroth · 2018

Detailaufnahme: Frau trinkt Wasser aus einem Glas

Viele unserer Körperfunktionen sind so automatisiert, dass wir sie gar nicht bewusst wahrnehmen. Der Schluckakt erfordert ein komplexes Zusammenspiel verschiedener Strukturen. Doch was, wenn diese Fähigkeit plötzlich nachlässt, wie bei Personen mit der Parkinson-Krankheit oder nach einem Schlaganfall? Moderne Hilfsmittel können hier Abhilfe schaffen.

Plötzliche Hustenanfälle, Atemnot, Todesangst! Allein in Deutschland berichten circa fünf Millionen Menschen von solchen oder ähnlichen Symp­tomen während oder nach der Nahrungsaufnahme. Besonders ältere Menschen sind von der sogenannten Dysphagie betroffen. Ursachen können lokale Probleme, wie Entzündungen im Mund oder Rachenraum sein, oder auch Störungen in der zentralen Schaltstelle, dem Gehirn, von wo aus das Schlucken gesteuert wird. Werden bei einem Schlaganfall bestimmte Hirnregionen geschädigt, kann der Befehl vom Gehirn zum Körper fehlerhaft sein und der Schluckakt nicht mehr richtig ausgeführt werden. Ähnlich ist es bei Menschen mit Morbus Parkinson. Durch den Abbau von Nervenzellen in bestimmten Hirnregionen kommt es zu verlangsamten Bewegungsmustern. Sprechen und Schlucken ist bereits im frühen Stadium bei 80 Prozent der Patienten ein Problem und wird im Verlauf der Erkrankung zu einer immer größeren Herausforderung. 

Schluckstörung: Lebensgefahr durch Nahrungsaufnahme

Schluckstörungen sind nicht nur subjektiv unangenehm, sondern können auch gefährliche Folgen haben: Gelangen Essensreste  oder Flüssigkeiten an der Speiseröhre vorbei in die Luftröhre, kommt es zunächst reflexartig zum Hustenanfall und einem Erstickungsgefühl. Reicht dieser Schutzreflex nicht aus, landen Essen und Flüssigkeit in der Lunge. Folge dieser sogenannten Aspiration können schwere Entzündungen der Lunge sein, die bei 20 bis 45 Prozent der Risikopatienten tödlich enden. Deshalb ist es wichtig, früh genug durch Gegenmaßnahmen das Aspirationsrisiko zu minimieren. Bei der Schlucktherapie lernen Betroffene, wie sie ihre Körperhaltung, Muskelanspannung und Atmung bewusst kon­trollieren können, um den Vorgang besser zu steuern.

Medizinische und soziale Hilfestellungen

Fehlhaltungen im Kopf- und Nackenbereich können bei Parkinsonpatienten das Trinken zusätzlich erschweren – insbesondere, wenn der Kopf nicht in den Nacken gelegt werden kann. Speziell für die Dysphagie kreierte Trinksysteme erlauben es, Flüssigkeiten durch leichte Senkung der Kopfposition aufzunehmen, was aspirationsfreies Trinken ermöglicht. Durch sogenannte Chin-Down-Manöver lassen sich Hustenanfälle und Verschlucken mit ihren gravierenden Folgen reduzieren. Bei Risikopatienten sollte gezielt danach gesucht und die Behandlung früh eingeleitet werden. Neben diesen Hilfsmitteln bieten verschiedene gemeinnützige Vereine Unterstützungsmöglichkeiten in Form von sozialrechtlicher und psychosozialer Beratung zur Alltagsbewältigung.

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