Alterszucker

Folgeerkrankungen drohen

Von Jens Bartels und Katharina Lehmann · 2020

Wenn der Zuckerstoffwechsel aus dem Gleichgewicht gerät, sprechen Ärzte von Diabetes mellitus. Gerade am im Alter erworbenen Typ 2 erkranken immer mehr Deutsche – mit gefährlichen Folgen. Denn Diabetes schädigt Nerven und Gefäße.

Seniorin überprüft ihren Blutzuckerspiegel
Foto: iStock/simpson33

Diabetes ist in Deutschland auf dem Vormarsch. Nach Angaben der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) habe die Bundesrepublik nach Russland die zweithäufigste Diabetesrate in Europa. Mehr als sieben Millionen Menschen leiden hierzulande an der Zuckerstoffwechselstörung – jeden Tag gibt es fast 500 Neuerkrankungen. 

Nur ein kleiner Teil der Erkrankten leidet am durch eine Autoimmunerkrankung hervorgerufenen Typ-1-Diabetes. Dieser manifestiert sich meist schon in der Kindheit. Das Immunsystem greift die insulinprozierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse an – nach und nach stellen sie ihren Dienst ein. Die bisher einzige Therapiemöglichkeit besteht darin, lebenslang Insulin zu spritzen.

Typ 2 wird Volkskrankheit

Wesentlich häufiger verbreitet ist der Diabetes vom Typ 2, der mit dem Alter erworben wird. Bei dieser Erkrankung reagieren die Zellen immer schlechter auf den Botenstoff Insulin, der Körper benötigt immer mehr davon, um den Zucker aus dem Blut in die Körperzellen zu schleusen. So steigen Blutzucker- und Insulinspiegel gleichermaßen an. Auslöser sind Übergewicht und eine kohlenhydratreiche Ernährung, Bewegungsmangel und eine genetische Veranlagung. 

Mehr als 90 Prozent der Diabetes-Erkrankten leiden an diesem sogenannten Alterszucker. Und es werden immer mehr. Denn während die Erkrankungsrate beim Typ-1-Diabetes nahezu konstant ist, steigen die Typ-2-Zahlen seit Jahren überproportional. So werden Schätzungen zufolge im Jahr 2040 allein in Deutschland mehr als zwölf Millionen Menschen an Typ-2-Diabetes leiden.

Bei Diabetes drohen Gefäßleiden

Diese Entwicklung ist gefährlich, denn Diabetes kann zahlreiche Folgeerkrankungen nach sich ziehen – unter anderem deshalb, weil sich bei Diabetikern schneller Ablagerungen in den Blutgefäßen entwickeln als bei gesunden Menschen. Durch diese Ablagerungen steigt das Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen wie Herzinfarkt und Schlaganfälle um das Zwei- bis Vierfache. Zudem schädigt ein dauerhaft erhöhter Blutzucker die Nerven in Augen und Gliedmaßen. Die Folge: Erblindung oder das diabetische Fußsyndrom

Durch die geschädigten Nerven nimmt vor allem in den Füßen die Schmerz- und Druckempfindung ab – Betroffene spüren Verletzungen, Kälte- und Hitzeschäden nicht sofort. Unbemerkt können sich innerhalb kürzester Zeit Geschwüre und offene Wunden entwickeln, die nur schwer wieder heilen. Erfolgt die Behandlung zu spät, droht die Gefahr einer Amputation des Fußes oder sogar von Teilen des Beines.

Spezialisierte Zentren helfen

Dementsprechend sollten Diabetiker schon bei kleinsten Verletzungen an Fuß oder Bein einen Gefäßspezialisten aufsuchen, wenn eine Wunde nach einer Woche noch nicht heilt oder sich sogar verschlimmert. Aufgrund der Komplexität dieser Erkrankung empfehlen Experten im Idealfall den Besuch spezialisierter Zentren, in denen Experten aus verschiedenen Bereichen zusammenarbeiten.

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