Rückenschmerzen behandeln

Ein Eingriff ist selten nötig

Von Wiebke Toebelmann · 2017

Physiotherapie hilft oft bei Rückenschmerzen.

Ein Volk „hat Rücken“: Ganze 66 Prozent der Deutschen leiden mindestens einmal im Jahr unter Rückenschmerzen. Und ist das Leiden auch noch so groß, die Ursachen sind meist harmlos. Und: Nicht immer ist bei einer Erkrankung der Wirbelsäule ein chirurgischer Eingriff erforderlich. Und falls doch, kommen modernste OP-Techniken zum Einsatz.

Das sind mal beachtliche Zahlen: Die Studie „Faktencheck Rücken“ der Bertelsmann Stiftung ergab im November 2016, dass jeder fünfte gesetzlich Versicherte mindestens einmal im Jahr wegen Rückenschmerzen einen Arzt aufsucht – 27 Prozent davon sogar vier Mal oder öfter. Das Ergebnis der Studie zeigt aber auch, dass ein Großteil der insgesamt rund 38 Millionen Arztbesuche (und übrigens sechs Millionen Röntgenbilder) vermeidbar wären. Denn, so „Faktencheck Rücken“, ein Arzt kann gerade mal in 15 Prozent der Fälle eine spezifische Ursache feststellen, da die meisten Rückenschmerzarten von Muskelverspannungen verursacht werden. 85 Prozent gelten aber als medizinisch unkompliziert. In den anderen Fällen hingegen liegt eine Erkrankung der Wirbelsäule vor.

Rückenschmerzen behandeln: Oft genügen konservative Therapien 

Ein Großteil der Wirbelsäulenerkrankungen sind auf Verschleiß zurückzuführen. Besonders häufig ist die lumbale Spinalkanalstenose, eine Verengung des Wirbelkanals im Lendenbereich. Konservative Therapien schlagen hier sehr gut an: Krankengymnastik, physikalische Therapien (Wärme- oder auch Wasseranwendungen) sowie Injektionen von Schmerzmitteln. Nur zehn Prozent der Patienten müssen operiert werden. Statt großem Eingriff wird heute auf minimal-invasive Methoden gesetzt. Diese basieren auf Punktionsverfahren, bei denen Schmerzleitungen unterbrochen oder entzündungshemmende Medikamente an den Schmerzherd gebracht werden. Bei der Spinalkanalstenose wird der Kanal mittels feinster Mikroinstrumente von seiner knöchernen Verengung befreit. 

Bei Lähmungen muss operiert werden

Neben Wirbelsäulenerkrankungen ist auch oft ein Bandscheibenvorfall ursächlich für Beschwerden im Rückenbereich. Typisch ist ein dumpfer Schmerz. Er entsteht, wenn – bedingt durch ein Riss im äußeren Faserring – der Gallertkern hindurchbricht und auf die umliegenden Nerven drückt. War in vielen Fällen bis vor wenigen Jahren die Operation das Mittel der Wahl, kann heutzutage in 90 Prozent der Bandscheibenvorfälle auf einen Eingriff verzichtet werden. Konservativ behandelt, etwa mithilfe von Wärmeanwendungen oder Akupunktur, verspüren rund 80 Prozent der Betroffenen innerhalb von zwei bis drei Wochen eine Schmerzlinderung. Eine OP ist nötig, wenn Gefühlsstörungen oder Lähmungen auftreten. Dann wird der vorgefallene Teil der Bandscheibe mikrochirurgisch entfernt, die Nervenwurzel entlastet und irreversible Schäden vermieden. Und auch hier heißt es: Keine Angst, auch die minimal-invasive Bandscheiben-OP zählt zu den Standardeingriffen.

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