Cannabidiole

Alte Pflanze im neuen Licht

Von Tobias Lemser · 2018

Getrocknete Canabis-Pflanze, Cannabidiol-Öl

Kaum eine Pflanze erlebt momentan in der Medizin so einen Boom wie Cannabis. Denn das Kraut kann mehr als nur berauschen. Gerade für neurologische Patienten ist das darin enthaltene Cannabidiol (CBD) interessant. Trotz fehlender Studien sprechen viele Betroffene von weniger Begleiterscheinungen ihrer Krankheit. Doch wie sieht es hierzulande rechtlich aus? In welcher Form ist CBD überhaupt erlaubt?

Ob am Kiosk um die Ecke, an der Tankstelle, im Internet oder gleich im Hanfshop: Wer heutzutage an Cannabis und die darin enthaltenen Cannabinoide herankommen möchte, dem wird es nicht mehr allzu schwergemacht – zumindest in der Schweiz nicht, wo unter anderem der Handel mit Cannabidiol, kurz CBD, inzwischen erlaubt ist. Jedoch mit einer entscheidenden Einschränkung: Der Tetrahydrocannabinol-Gehalt (THC) – das ist der Stoff, der zu einer Abhängigkeit führen kann und „high“ macht – darf lediglich zwischen 0,3 bis 0,7 Prozent betragen.

Spezielle Extraktionsverfahren

Was ist CBD? Viele denken bei den Worten Hanf und Cannabis erst einmal an Haschisch. Fakt ist aber: CBD, das zumeist als Hanfsamenöl angeboten wird, ist der bekannteste Wirkstoff der Hanfpflanze. Um an CBD zu gelangen, muss es mithilfe eines speziellen Ex­traktionsverfahrens aus der Pflanze herausgefiltert werden. Wer sicher gehen möchte, reines CBD zu erhalten, sollte sich für ein CO2-extrahiertes Konzen­trat entscheiden – der Prozess erfordert eine hochspezialisierte Ausrüstung und deutlich mehr Kompetenz als eine einfache Ethanol-Extraktion.

Cannabidiol: Mögliche Anwendungsgebiete

Besonders gefragt ist CBD vor allem seit der Entdeckung der Cannabinoidrezeptoren und deren physiologischen Funktionen. Da CBD entzündungshemmend und krampflösend zu wirken scheint, forschen derzeit viele Wissenschaftler, welchen Nutzen es in der Behandlung bestimmter Erkrankungen hat. Viele Patienten mit neurologischen Erkrankungen sprechen von geringeren Begleiterscheinungen etwa bei Migräne, Multiple Sklerose, neuropathischem Schmerz, Rückenmarkverletzungen, dem Tourettesyndrom oder Epilepsie. Andere wiederum setzen CBD bei Parkinson und Alzheimer ein, um die häufig damit verbundenen Unruhezustände zu dämpfen. Diese äußern sich unter anderem in Spasmen und einem erhöhten Muskeltonus.

Wichtig zu wissen: Viele Erkenntnisse, die über die medizinische Wirkung von CBD existieren, sind bislang wenig gesichert. Neben umfangreichen Erfahrungsberichten gibt es kaum fundierte Studien, zumeist handelt es sich um Zellversuche, Tierexperimente oder Einzelfallbeschreibungen.

THC-Gehalt gibt den Ausschlag

Doch wie ist die Rechtslage hierzulande? Fest steht: Ob beispielsweise ein CBD-Öl hierzulande letztendlich frei verkäuflich ist, hängt davon ab, welche weiteren Bestandteile das Produkt in welcher Konzentration enthält. Zudem darf es als Nahrungsergänzungsmittel keine Heilversprechen beinhalten und sein THC-Gehalt muss unter 0,2 Prozent liegen. Alles was darüber hinaus geht, fällt unter das Arzneimittelgesetz. Heißt: Es ist als verschreibungs- beziehungsweise rezeptpflichtiges Arzneimittel anzusehen und kann nur in Apotheken erworben werden. Obwohl der Verkauf dieser Produkte im Internet boomt, ist es jedoch ratsam, sich von ihrer Reinheit zu überzeugen. Mittlerweile ist es möglich, CBD auch gänzlich ohne THC zu erwerben – für viele ein wichtiges Kriterium, da CBD ohne THC nicht psychoaktiv wirkt und somit auch nicht süchtig macht. 

Ebenso wichtig: Da CBD bei jedem individuell wirkt, ist es nicht möglich, genaue Angaben über die empfohlene Einnahmemenge zu machen. Vielmehr ist dies sogar rechtlich verboten. Um die für sich geeignete Dosierung herauszufinden, empfehlen betroffene Patienten, mit einer geringen Menge zu beginnen und bei Bedarf die Einnahme in kleinen Schritten zu steigern.

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